"Wie viel Heizlast hat das Haus etwa?" und "Wie viel Heizlast hat das Haus nach DIN EN 12831-1?" klingen ähnlich, beantworten aber unterschiedliche Fragen - und wer beide verwechselt, plant am Ende eine falsch dimensionierte Anlage.
Eine überschlägige Schätzung arbeitet meist mit einem pauschalen Watt-pro-Quadratmeter-Wert, der von der Baualtersklasse und der Gebäudeform abhängt - ein unsanierter Altbau verliert pro Quadratmeter deutlich mehr Wärme als ein aktueller Neubau nach heutigem Dämmstandard. Multipliziert mit der Wohnfläche ergibt das in Sekunden eine grobe Hausnummer für die Heizlast. Das reicht für ein erstes Bauchgefühl - etwa um bei einer Anfrage grob abzuschätzen, in welcher Leistungsklasse sich eine mögliche Wärmepumpe bewegen könnte - aber nicht für die verbindliche Anlagenplanung.
Eine Faustformel kennt weder die tatsächlichen U-Werte der einzelnen Bauteile noch den Fensteranteil, die Ausrichtung oder die konkrete Raumaufteilung. Zwei Häuser mit identischer Wohnfläche und gleicher Baualtersklasse können in der Praxis spürbar unterschiedliche Heizlasten haben - je nachdem, wie viele Außenwände sie haben, wie groß die Fensterflächen sind und wie gut sie tatsächlich gedämmt wurden. Für die verbindliche Auswahl von Wärmepumpe, Heizkörpern oder Fußbodenheizung braucht es deshalb die vollständige, raumweise Berechnung nach DIN EN 12831-1 (siehe Grundlagen-Artikel).
Spätestens bei zwei Punkten kommt man an der vollständigen Berechnung nicht vorbei: erstens bei der Wärmepumpen-Förderung im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG), wo ein hydraulischer Abgleich und damit eine belastbare Heizlast pro Raum verlangt wird (siehe Artikel zum hydraulischen Abgleich); zweitens beim eigentlichen Anlagenverkauf, wenn Kunde oder Prüfer ein nachvollziehbares, raumweises Protokoll erwarten und nicht nur eine grobe Zahl auf einem Blatt Papier.
Ein Überschlagsrechner ist ideal für die ersten fünf Minuten eines Gesprächs - unverbindlich, ohne Aufmaß, ohne Anmeldung. Die vollständige Berechnung kommt danach, sobald es konkret wird. RaVia bietet deshalb beides: einen kostenlosen Überschlagsrechner ohne Konto für die grobe erste Einschätzung, und die vollständige, raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831-1 für die eigentliche Anlagenplanung.